tja, das Schicksal so vieler Startups. Man plant und freut sich, doch irgendwie mag keiner einer das Angebot wahrnehmen, man erreicht weder User noch Presse. Obwohl das Produkt doch “so geil” ist, “darauf hat die Welt gewartet”.
Ne, eben nicht! Es wartet kein Mensch auf Dein Produkt. Bedarf hin, Bedarf her. Die Schwierigkeit in einem Land wie Deutschland ist, dass die Menschen so gut wie alles haben, von Nachrichten und Werbebotschaften überflutet werden. Die Mär, dass sich gute Produkte von selbst herumsprechen, ist eben genau das, Bullshit. Wer auf den Wahrnehmungsradar der Konsumenten kommen will, muss sich schon etwas einfallen lassen.
Bestes Beispiel: Sevenload. Eine frühe CopyCat von YouTube. Statt aber den hiesigen Markt aggressiv zu erobern, hat man brav die Copyrights beachtet, brav PR und Markting gemacht, damit letztlich verdammt viel Geld verschenkt. Nicht etwa an Strafen, sondern an Einnahmen. Zuviel des braven Marketings ist ein Grundübel der deutschen Startupszene. Ja, klar, in D darf man die Klappe nicht so weit aufreißen. Das gehört sich nicht. Wo steht das bitteschön? Im Marketing-Gesetzbuch?
Ich selbst bin ein großer Fan von Richard Branson. Was wäre ein Branson ohne Richards Eier? Seine Marketing-Methodiken sind par excellence! Schon alleine der Clou, das Unternehmen “Jungfrau” (Virgin) im altehrwürdigen England zu nennen, war genial! Und mutig!
Ergo?
Alle Gedanken drehen sich weniger um das Produkt. Das nicht mal ansatzweise noch so genial sein kann, um darauf überhaupt zu hoffen. Es ist wie ein Lottotreffer. Die Wahrscheinlichkeit ist mir zu gering. Wie oft habe ich nun Produkte draußen gesehen, deren Änderungen zu den Vorprodukten marginal erscheinen, aber der Clou sind. Bestes Beispiel: Die Idee, eine Seite für alle editierbar zu machen, ist einerseits bescheuert, andererseits hat die Wiki-Idee eine Vielzahl von Möglichkeiten im Netz eröffnet. Worauf basiert die Idee letztlich, selbst wenn Cunningham das nicht vor Augen hatte? Menschen zu vertrauen. Ebenso erschien die Idee von del.icio.us beknackt damals, Bookmarks gemeinsam zu sharen. Wozu sollte man so einen Mist machen? Reichte nicht bereits der Gedanke, Bookmarks online für sich zu verwalten? Obgleich der Ansatz und dessen Vorteile des Sharings naheliegen, musste eine gewaltige Web 2.0 Staubwolke aufkommen, den Usern da draußen diesen simplen (!) Gedanken nahe zu bringen (->flickr, facebook, twitter, digg, wikipedia, youtube, und und und), der aber schon längst in uns wohnt. Das Teilen von Dingen und Erfahrungen ist Bestandteil unseres Lebens, ohne den keine Gesellschaft funktioniert.
Was so simpel im Nachhinein erscheint, ist im Vorfeld ein Ding der Unmöglichkeit, es vorherzusehen. So klein und marginal Denkansätze umgesetzt in Software erscheinen mögen.
Worauf fokussieren meine Gedanken dann? Wie im Konzeptpapier “Soziales Netz im Lokalen” beschrieben, sehe ich einen gigantischen Bedarf, das Lokale ins Web zu bringen, dabei auf die etablierten Mechaniken der Social Networks zurückzugreifen. Man kann dem widersprechen, ich kann es nicht einmal beweisen, aber in mir steckt die Überzeugung, dass es der richtige Zeitpunkt ist, lokale Webservices nach vorne zu bringen. Das alleine ist zwar schön und gut, doch dem User da draußen völlig egal. Es mag in ihm stecken (der Bedarf an lokalen Lösungen), doch solange sich keine Webservices etablieren, die umfänglich das Lokale digitalisieren, wird er weiterhin fröhlich im Netz surfen, nur nicht auf Buzzriders.
Das ist der Grund, warum ich Buzzriders als Open Source Service in allen Belangen voranbringen möchte. Es geht nicht nur um Module, die man als Webmaster selber betreiben kann. Es geht ebenso um das Sharing von Ideen, Konzepten, Daten, Erkenntnissen in allen Belangen. Entweder stoße ich damit weitere Ideen von Dritten an, um sich gegenseitig zu befruchten oder ich erreiche damit nichts, den Markt “für Lokales im @” zu beleben. Und es liegen dramatisch viele Möglichkeiten brach.
Das “Internet of Things” ist eine bloße Idee, die aber bereits in der Industrie Alltag ist. “Sprechende”, “sich meldende Container” mögen banal erscheinen. Übertragen auf alltägliche Objekte der örtlichen Umgebung kann man damit theoretisch jeden Punkt auf dieser Erde zu einem kleinen Informationssender machen. Was das bedeutet, kann man nur erahnen, Angst hin, Angst her. Kommen wird es. Das ist klar. Und es wird u.a. den Journalismus -als Filterer von Ereignissen- dramatisch verändern. Dagegen ist das, was wir heute schon sehen, ein Furz ins Wasser. Und damit deute ich klar an, woran ich bei Buzzriders noch denke. Ich kann mir Geräte vorstellen, die den Zustand der Umgebung berichten. Minimalste Anwendungen für Handys, die Zustandreports senden. Nicht so einen “Mist” wie Foursquare, der mir immer noch viel zu komplex ist.
Zukunft hin, Zukunft her, das Jetzt zählt. Neben Open Source und dem Sharing von Informationen wird es die wichtigste Aufgabe sein, Menschen mit Buzzriders zu erreichen. Das wird mit Sicherheit nicht das bloße Produkt sein. Nachdem das Produkt in der frühen Alpha und open Beta steht, wird Marketing das Hauptaugenmerk bekommen. Darum drehen sich bereits jetzt schon meine Gedanken. Und macht mir graue Haare. Die Aufgabe ist knackig. Ein dichtes Netzwerk zu schaffen, das bis auf die Straßenebene geht, ist kein larifari-Vorhaben. Buzzes wie der Twitter-Verkauf sind nice, aber nur ein Bruchteil dessen, wie groß der Buzz sein muss, um das hinzubekommen. Eine Maßnahme alleine wird es nicht bringen, egal welche. Das ist klar.
Bis dato? Wenn ich großkotzig erscheinen mag, bitte ich um Nachsicht. Sehe mich als Realist, meine Eigensicht:) Heißt? Aus Marketingsicht ist mir kein Vorhaben in D bekannt, dass in der Vorphase schon so bekannt ist wie Buzzriders. Das mag am Verkauf von Basic Thinking liegen, das hat etwas mit dem Vorgehensmodell zu tun (inkl. der Buzzcamps), das hat mit meiner Person zu tun, die gerne polarisiert, das hat mit dem jetzigen Twitter-Verkauf zu tun. Und ich werde damit nicht aufhören. Es reicht bei Weitem nicht. Ich schrieb dazu bereits schon einmal etwas: “Ich bin ein Spinner“. Wer das vorhat, was ich vorhabe, kann sich nur leisten, ein Spinner zu sein. Sonst würde er einpacken angesichts der Aufgaben, die unlösbar erscheinen.