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Soziales Netz im Lokalen

Buzzriders wird als Produkt was sein? Ein lokales Social Network mit einer starken Ausprägung, lokale Informationsbedürfnisse (local news) abzudecken. Was heißt das und warum nutzt das etwas?

Herkömmliche Social Networks
Social Networks sind mittlerweile vielen Menschen – vor allen Dingen Webusern – ein Begriff. Es handelt sich dabei um die Abbildung sozialer Beziehungen (Def.: “weak & strong ties“, siehe hierzu den PDF-Artikel “Weak und Strong Ties – Freundschaft aus netzwerktheoretischer Perspektive“, um sich darüber ein Bild zu machen) und natürlich der Interaktion auf zwischenmenschlicher Ebene. Seit Friendster haben sich die Social Networks kaum weiter entwickelt, was diesen Fokus angeht. Daher bezeichne ich sie als Social Networks der ersten Generation. Das, was sie besonders gut machen, gilt es aufzugreifen und weiter zu denken.

Lokale Social Networks müssen anders sein
Welches Rolle spielt das lokale Element? Social Networks vernachlässigen das, was uns Menschen ausmacht, nämlich unser lokales Umfeld. Menschen bewegen sich üblicherweise im Realen in einem relativ kleinen Umkreis (Freizeit / Job). Der Anteil der realphysischen Interaktionen ist damit bemerkenswert hoch, umso höher je weniger sich ein Individuum im Netz bewegt. Es geht hierbei nicht nur um zwischenmenschliche Interaktionen, sondern um reale Eindrücke im Allgemeinen. Genauer gesagt um reale Eindrücke ausgelöst durch Menschen, Orte und Themen. Hypothese: Reale Eindrücke vor Ort sind weitaus einprägsamer und stärker als virtuelle Eindrücke.

Moderne Social Networks fokussieren wie oben geschildert im Wesentlichen auf die Interaktion und Beziehungen zwischen Menschen. Außen vor bleiben dabei explizite Abbildungen realer Eindrücke zu Orten und Themen. Selbstverständlich kann man auf Plattformen wie Facebook “Pages” zu Orten und Themen anlegen. Betrachtet man jedoch die funktionale Einbettung dieser Möglichkeiten, spielen sie mehr Beiwerk und sind eine Anregung zur zwischenmenschlichen Vernetzung. Das ist weder falsch noch richtig. Es ist eine Möglichkeit, die Realität von Menschen digital abzubilden. Die Wirkung des realen Ortes, die den Menschen prägt, werden dabei so gut wie nicht abzubilden versucht.

Ein Social Network hat explizit abzubilden, was den Menschen gesamtheitlich bewegt
Buzzriders erweitert diesen Gedanken und wird gleichberechtigt Menschen, Orte und Themen funktional abbilden. So wird im Zentrum die Frage stehen, welche Menschen vor Ort leben, was sie interessiert und welche Plätze es gibt. Um das, was Menschen vor Ort prägt, digital abzubilden. Die Klammer ist das lokale Element. Das heißt im Umkehrschluss nicht, dass Buzzriders überregionale Beziehungen zwischen Menschen verhindern oder blockieren wird. Ebenso wenig wird es keinen Zwang geben, Themen auf einen Ort zu beschränken. So kann ein Buzzriders-User aus Berlin ohne Weiteres als Interesse “Bloggen” angeben und eine Anlaufstelle “Blogger” schaffen. Das Thema und Interesse Bloggen können regional ausgeprägt sein, müssen es aber nicht. Ein Blogger aus München kann dieser Themengruppe ebenso beitreten. Berliner Blogger haben darüber hinaus (!) die Möglichkeit (!), sich vor Ort zu vernetzen und bei Bedarf auch zu treffen. Hier greift das lokale Element und holt Menschen über ihr reales Leben und deren Eindrücke ab. Buzzriders wird dies fördern, über explizite, funktionale Abbildungen.

Zooming eines lokalen Social Networks
Legen wir ein Raster über Berlin: Dieses Raster kann man gedanklich beliebig verkleinern oder vergrößern. Alles, was sich in einer einzelnen Raster-Koordinate befindet, wird anhand von Menschen, Orten und Themen abgebildet. Wie eine Art Würfel, den ich drehen kann. So kann ich als Berliner vor Ort Mitmenschen entdecken, deren Interessen mit meinen abgleichen, Plätze in meiner Umgebung entdecken, auf spannende Themen stoßen. Auf Straßenebene, auf Stadtteil-Ebene, auf PLZ-Ebene, auf der Ebene des Gesamtortes (ich nenne das intern “Zooming”). Das Zooming soll den Menschen in seiner lokalen Mobilität abholen, die mal kleiner mal größer sein kann.

Berliner Netz


(Berliner Karte aus Wikipedia)

Ein lokales Beziehungsnetz ist die Basis für lokale News
Somit kann jeder einzelne Geopunkt bis hinunter auf ein Mietshaus beschrieben und abgebildet werden. Was entsteht nun daraus? Ein Netz aus unterschiedlichen Beziehungen und Bedeutungen, die den Menschen mal mehr mal weniger wichtig sind. Legt man eine zeitliche Komponente über dieses Geflecht, können wie oben einleitend beschrieben mit zunehmender Dichte u.a. lokale News produziert werden, die aus der Rohmasse des Informationsstroms zu filtern sind. “News” sind im Grunde nichts anderes als eine Teilmenge der Gesamtheit der Ereignisse der Realität (das inludiert ebenso das Virtuelle = Realität), denen eine höherwertigere Bedeutung beigemessen wird. Ein Informationsproduzent (der letztlich ein Filterer ist) kann je nach Zoomstufe auf lokaler Ebene bis hinunter auf die Straßenebene Informationen filtern. Heißt: Manche News verlieren ihre Bedeutung, wenn sie beispielsweise auf Stadtebene veröffentlicht werden. Zu verstehen, wann welche News für welchen Ortspunkt wichtig sind, ist simpel gesprochen ein Learning. Ein Learning, das vom Instrumentarium Buzzriders technisch gesehen unterstützt werden kann. Was klar ist: Menschen wollen zunehmend präziser und feiner informiert werden, je mehr an Informationen gerade und wegen dem Internet heute produziert werden. Das ist etwas, das herkömmliche Zeitungen nicht mehr leisten können. Sie könne sich aus ökonomischen Gründen lediglich auf besonders wichtige News konzentrieren.

Beispiel: Ein lokaler Zeitungsverlag hat nicht einmal ansatzweise die Möglichkeiten, rein nachbarschaftliche News auf Straßenebene zu filtern. Weder wissen sie, wo etwas Interessantes auf der kleinsten Geo-Ebene (Straße) passiert, noch interessiert sich der Nachbar einen Stadtteil weiter dafür. Straßen-News werden schlichtweg aufgrund “Bedeutlungslosigkeit für den Ort” weggefiltert, geschweige denn ansatzweise wahrgenommen. Was sind das aber für nachbarschaftliche Informationen mit dem Label “News”, die für die herkömmliche Lokalpresse unspannend sind? Ganz simpel: Morgen wird der Tannenbaum abgeholt. Heute wird das Wasser abgestellt. Übermorgen wird es eine laute Party geben. Nächste Woche wird Oma Elfriede 80 Jahre alt. News, die im journalistischen Sinne einen “echten” Lokaljournalisten nicht jucken, die aber für die Nachbarn wichtig sein könnten. Würde Buzzriders nicht den Ansatz verfolgen, ein Social Network um wichtige Lokalkomponenten zu erweitern, wäre es niemals in der Lage, derartige News überhaupt zusammenzustellen.

Konntet Ihr mir folgen? Ich weiß, es ist nicht ganz einfach, sich in das Lokale hineinzudenken und sich dann zu überlegen, warum ein herkömmliches Social Network nicht wirkt und daher gedanklich zu erweitern ist.

Im Folgeartikel erläutere ich die dazu notwendigen “Lokalkomponenten” und wie sie funktionieren. Für diejenigen, die Abstraktes weniger mögen, sondern mit Greifbarem besser umgehen können :) Dennoch musste ich zunächst abstrakter ausholen, da diese Ausgangsüberlegungen die Basis für alles Weitere én Detail darstellen.

Quellen?
Wo kommen die Überlegungen her? Es basiert auf den Zillionen von Gesprächen mit den vielen Mitmachern, die sich mit Buzzriders aus aberhunderten von Perspektiven beschäfigt haben. Auf den Buzzcamps, in Meetings, in Telefonaten, via Netz. Das, was zunächst völlig chaotisch aussah, verdichtete sich mit der Zeit zu einem Bedürfnismuster. Menschen spiegeln in dem, was sie wie sagen und erläutern, das was sie bewegt. Es erleichtert die Entscheidungsfindung aus einer aberwitzigen Konstellation von Möglichkeiten und Varianten heraus, ein lokales Produkt auf die Beine zu stellen.

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Der Beitrag wurde am Monday, den 11. January 2010 um 13:47 Uhr veröffentlicht und wurde unter Allgemeines abgelegt. du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf deiner Seite einrichten.

7 Reaktionen zu “Soziales Netz im Lokalen”

  1. [...] « Soziales Netz im Lokalen [...]

  2. [...] dem Artikel “Buzzriders-Module” und den dahinter stehenden Gedanken “Soziales Netz im Lokalen” eine schematische Zeichnung des [...]

  3. [...] “Soziales Netz im Lokalen” = Grundgedanken zu einem lokalen Social [...]

  4. [...] fokussieren meine Gedanken dann? Wie im Konzeptpapier “Soziales Netz im Lokalen” beschrieben, sehe ich einen gigantischen Bedarf, das Lokale ins Web zu bringen, dabei auf [...]

  5. [...] 6. Auch in Richtung Newsaufbereitung tut sich etwas. Ich versuche zur Zeit, eine bekannte Firma zu gewinnen, um lokale News via Videonachrichten zu stemmen. Gerade bei der Lösung “lokale News” werde ich mit Buzzriders eine Doppelstrategie fahren, nicht nur aus Risikodiversifikationsgründen, aber auch:) Es ist durchaus denkbar, dass ein Team aus rund 10-20 Personen ein gesamtes Stadtareal mit lokalen Nachrichten aus dem long tail versorgen kann. Unabhängig zunächst von der Frage, ob es gelingt, ein dichtes social network auf lokaler Ebene aufzubauen (was ein local social network mit lokalen Nachrichten zu tun hat? Siehe Artikel). [...]

  6. Doubleslash says:

    Ich finde die Untersuchung, warum ein Social Network im klassisch globalen, grenz-übergreifenden Sinne im Lokalen nicht funktioniert sehr gelungen.
    Jedoch kann ich die Schlussfolgerung, dass nun die Gegenteile dieser Art Netzwerke ein lokales Netzwerk, wie hier dargestellt erfolgreich machen sollen nicht unterschreiben.
    Was hat Social Networks erfolgreich gemacht? Die Möglichkeit sich in einem orts-, gebiets-, länder- und kontinentübergreifenden Netzwerk zu verbinden und diese Verbindung “aufrecht” zu erhalten. Es ist die die Flucht aus den oben treffend beschriebenen lokalen Alltag, die Enge der real-physisch erreichbaren Örtlichkeiten. Statt immer nur in seiner eigenen, lokalen Suppe (Nachbarschaft, Arbeit, Freizeit) zu hängen, richten solche Plattformen eine Basis ein, auch die lokalen Ereignisse anderer Sphären (Freundeskreis, Arbeitskollegen, Journalisten, Blogger, Evangelisten etc.) mitzubekommen. Warum ist das interessant? Weil es woanders ist. Die Fähigkeit des globalen Netzes Informationen fast ohne Zeitverlust omnipräsent und permanent verfügbar zu machen, wurde hier genutzt um den Alltag sinnvoll zu erweitern.
    Wie sinnvoll ist es, den lokalen Alltag auch noch damit abzubilden?
    Ich glaube kaum, dass bei den meisten Menschen die Akzeptanz fehlt, auch noch den letzten Teil des real-physischen Alltags mit dem digitalen zu überdecken.
    Social Networks wie Facebook, Twitter, MySpace etc. haben eine Kommunikationsreichweite geschaffen, die vorher nicht existiert hat. Deshalb ist es gesellschaftlich akzeptiert, dafür Technik zu nutzen, weil es ohne nicht geht.
    Der Ansatz die lokale Kommunikation, die wunderbar funktioniert, in ein digitales Netzwerk zu übertragen wird vermutlich auf wenig Akzeptanz stoßen. Die Frage, die sich mir stellt: welchen Mehrwert soll ein lokales Netzwerk bieten? Bei klassischen Netzwerk ist es die Geschwindigkeit, mit der Informationen übertragen und die Herkunft der Informationen, die sie reizvoll gestalten. Sie sind reizvoll, weil sie von “woanders sind”. Sie sind ein kleiner Ausflucht aus dem Alltag.
    Welche Lücke füllen lokale Netzwerke? An der Geschwindigkeit kann es nicht liegen, die ist hoch genug. Neue Informationen gewinne ich dadurch auch nicht, weil wie gesagt regionale Informationen schon bekannt sind, soweit interessant. Und den Interessantheitsgrad von Oma Ingegards 80. Geburtstag für eine Generation digitaler Bohéme stelle ich auch mal in Frage.

  7. Die Ausflucht aus dem Alltag kann auch geschaffen werden mittels Informationen aus der eigenen Nähe deshalb denke ich dass es eine Zukunft gibt für so ein lokales Netzwerk. Ich dachte eigentlich dass es solche Websites schon gab. Wahrscheinlich sind die theoretisch nicht so gut unterlegt wie Sie es hier jetzt beschreiben.

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